Startseite Aktuelles Spaziergang Geschichte Energie Ökologie Wohnen Straßen Kuriosa und Lyrik

Spaziergang:
Gehen Sie mit uns den Auer Mühlbach entlang vom Düker bis zum Maxwerk.


Themen:
Düker (Beginn)
Marienklause
    Marienklausensteg
Tierpark
Siebenbrunn
Kleingärten
Kraemermühle
Templerorden
Birkenleiten
Bäckermühle
Lederfabrik
Lohe
Mondstraße
Schyrenbad
Kolumbusplatz
Paulaner
    Wegzug der Brauerei
    Eismaschine
    Chronik des Eiswerkes
    Chronik der Brauerei
    Brauerei im Eiswerk
    Arbeitsvertrag
Am Neudeck
    Impfanstalt
    Neudecker Garten
    Brunnhaus
    Schloß und Porzellan
    Justizvollzugsanstalt
    Falkenhof
    Hoffischerei
    Wiederöffnung
    Luftschutzbunker
Arme Schulschwestern
Quellenstraße
    Mural
Kegelhof
    GWG übernimmt
    Papierfabrik
    Chronik der MD
    Hadernsammlerin
    Direktorengebäude
    Arbeitermuseum
F.X. Meiller
    Steinsäule
Müller'sches Volksbad
Muffat
    Neues Kraftwerk
Maxwerk (Ende)
Führungen


Allgemein:
Neues Gästebuch
Altes Gästebuch
Impressum
Quellen
Sitemap
TEAM Auer Mühlbach


Modernstes Know-How

Kraemersche Kunstmühle in Untergiesing arbeitet nach modernstem Know-how

Leises Surren statt Klappern am rauschenden Bach

Tradition wird auch in der vierten Generation dennoch großgeschrieben / Behauptung trotz „knallharter Konkurrenz“

Von Barbara Bredl – Aus dem Münchner Stadtanzeiger Nr. 7 vom 15.02.1996

Carl Jakob Kraemer, Sohn des Cannstadter Stadtmüllers, hatte es schon vor über 100 Jahren gewußt: Am Auer Mühlbach in Untergiesing - unweit des Annakircherls am Tierparkberg - hat das Wasser den besten Fall: Kurzerhand kaufte er deshalb im Jahre 1863 die alte Brandmüllersche Papiermühle und gestaltete sie, ungeachtet der hohen Kosten, in eine Mehlmühle um.

Was viele nicht wissen: Bis heute ist dort noch immer eine Mehlmühle in Betrieb, eine von insgesamt nur noch zwei im Münchner Stadtgebiet.

Rund 120 Tonnen Mehl und 40 Tonnen Roggen aus dein Münchner Umland, aus Oberbayern und Franken, werden dort im 24-Stunden-Schichtbetrieb verarbeitet, als feinstes Mehl, Schrot, Kleie oder Grieß in große Tanklaster verladen und zu den Münchner Großbäckereien gebracht.

Auf dem idyllischen Gelände mit vielen Bäumen und dem großen roten Backsteingebäude mit seinen blau-weiß gestrichenen Fenstern ist nichts so, wie man sich eine typische Mühle eigentlich vorstellt. Das „Klappern der Mühle am rauschenden Bach" ersetzt ein leises, kaum wahrnehmbares Surren - kein Wunder, der Betrieb arbeitet nach modernem Know-how und der. neuesten Technik; immerhin ein Viertel der benötigten Energie wird über eine Turbine und einen Generator -wie früher noch - aus dem Auer Mühlbach gewonnen.

Traditionen werden in der Kraemerschen Kunstmühle ohnehin hochgehalten: Seit nunmehr 132 Jahren ist die Mühle ein Familienbetrieb: Die beiden Vettern Thomas und Reinhard Kraemer sind die Geschäftsführer, haften sogar persönlich mit ihrem gesamten Vermögen, weil die Kraemer-Mühle als Komandit-Gesellschaft geführt wird. „Aber in der vierten Müller-Generation der Familie Kraemer ist das genauso selbstverständlich geworden wie die Tradition, daß wir beide unseren ganz normalen Müller-Meister gemacht haben", erklärt Reinhard Kraemer, Urenkel des Mühlengründers Carl Jakob Kraemer.

Mit dem aus vielen Märchen bekannten Müller-Dasein ist ihre Tätigkeit heute nicht mehr zu vergleichen. „Meine Kinder werden in der Schule oft gefragt, ob die heutige Müller immer noch mit weißer Mütze und Kittel die schweren Mehlsäcke herumschleppen müssen,“ schmunzelt Thomas Kraemer. Doch weit gefehlt, im Inneren des fünfstöckigen Mühlengebäudes läuft al les automatisch. Die angelieferte Weizen- und Roggenkörner werden nach einer genauesten Qualitätsprüfung im hauseigenen Labor,, in einem vollautomatischen Kreislauf im Haus gesäubert, von Unkrautsaaten und Steinen befreit und in mehreren so genannten „Walzen-Stühlen" kleingemahlen.

„Seit Tschernobyl messen wir in unserem Labor regelmäßig, um eine eventuelle Strahlenbelastung zu entdecken und sicherzugehen, daß wir nur einwandfreies Getreide verarbeiten", betont Kraemer. An den modernen Müller sind heute also vielfältige Anforderungen gestellt; für die Überwachung des vollautomatischen Mühlenbetriebs braucht er neben dem Müllermeister noch eine elektronische und betriebswirtschaftliche Zusatzqualifikation.

Aber auch schon vor der Jahrhundertwende war die Kraemerische Mühle schon ein nach dem damaligen Stand der Technik ein hochmoderner Betrieb. Schon um 1870 wurde in acht Mahlgängen und mit schweinslederbestückten Elevatoren und Transportschnecken das Getreide verarbeitet. Als. Anerkennung für seine so fortschrittlich eingerichtete Mühle durfte Carl Jakob Kraemer seinen Betrieb als erste unter den insgesamt 14 anderen Münchner Mühlen mit dem Titel „Kunstmühle" schmücken, der bis heute erhalten geblieben ist.

Doch .war es nicht immer einfach, die Mühle am Laufen zu halten: „Besonders der Zweite Weltkrieg hat uns stark getroffen", erzählt Thomas Kraemer. Bei einem Bombenangriff am 27. November 1944 wurde die Kunstmühle mit allen Nebenbauten, Maschinen und einer besonders wertvollen Sammlung von Zunftzeichen völlig zerstört. Die Not in der Bevölkerung war so groß, daß sich die Giesinger sogar das unter dem Schutt verborgene Mehl heraussiebten. Doch auch hier hielt die Familie Kraemer wieder zusammen: Mit vereinten Kräften wurde sofort nach der Zerstörung mit dem Wiederaufbau begonnen, die neue Mühle konnte am 1. Oktober 1949 wieder eingeweiht werden.

Bis heute konnte sich die Kraemersche Kunstmühle in Untergiesing, trotz „knallharter Konkurrenz" in Oberbayern, Niederbayern und Schwaben behaupten. Zusammen mit der Hofbräuhaus Kunstmühle von Jakob Blum, die: unweit des Hotels ,;Raphael" in der. Stadtmitte noch Mehl verarbeitet, sind die beiden Münchner Mühlen die einzigen, die. von den früheren 14 Mühlen in München noch .geblieben sind.

Obwohl sich der Brotverbrauch bei inzwischen rund 62 Kilo pro Jahr und Kopf inzwischen stabilisiert hat (im Jahre 1955 waren es noch 80 Kilo), stehen einer Vielzahl von Mühlen immer weniger Bäckereien gegenüber. „Wir haben zwar keine Umsatzsorgen, aber das Geschäft ist äußerst hart geworden“, meint Reinhard Kraemer.

Die beiden Vettern setzen jedenfalls - wie auch schon ihre Vorfahren - auf Qualität, nicht nur in Hinsicht auf die Mehlqualität, sondern auch der Qualifikation der insgesamt 20 Mitarbeiter, der technischen Ausrüstung, des Vertriebs und der Verwaltung, um auch weiterhin im Konkurrenzkampf mithalten zu können."



Nach oben

Kraemerīsche Kunstmühle