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Bäckermühle

Die älteste Mühle Giesings stand nahe der Stelle, an der heute der Mittlere Ring - lärmend und stinkend - den Auer Mühlbach überquert. Bereits im Jahre 957 erhielt der Bischof von Freising die Mühle zu „Kiesingenum“ samt dazugehörigen Grundbesitz vom Edlen Wolftregil.

Im Jahr 1837 erwarb das „Schrafnagelmühle“ genannte Anwesen der Bankier und Besitzer der „Untergiesinger Lederfabrik“, Arnold von Eichthal. Dessen Bruder, Simon von Eichthal, erhielt anno 1853 die Konzession zur Umwandlung in eine „Kunstmühle“. Im Jahr 1883 baute der neue Besitzer, die Firma „Bavaria-Kunstmühle“, den Betrieb zur zweitgrößten Mühle Münchens um. Seit dem Jahr 1894 gehörte der Betrieb der „Münchner Bäckerinnung“, deshalb der Name „Bäcker-Kunstmühle“. Nur die Tivoli-Mühle am Englischen Garten war größer, als sie im Jahr 1974 aufgrund eines Bundesgesetzes vom 22.12.1971 „Zum Abbau von Überkapazitäten im Mühlengewerbe“ eingestellt wurde.

In privater Initiative erstellte der Kfz-Meister Günter Tremmel vom Spätherbst 1987 bis zum Frühjahr 1988 auf dem Grundstück der Anfang der sechziger Jahre abgerissenen Bäckermühle ein Kleinkraftwerk, das mit seinen zwei Turbinen ca. 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom liefert. Umgerechnet auf den durchschnittlichen Bedarf eines Münchener Haushalts zu dieser Zeit bedeutet dies, dass ca. 620 Haushalte hierüber mit Strom versorgt werden können. Immerhin sieben Jahre hatte Herr Tremmel mit der Stadt München verhandelt, ehe er im Herbst 1986 einen auf 30 Jahre befristeten Pachtvertrag unterschreiben konnte. Nach anfangs sehr zähen Verhandlungen beschleunigte sich die Einwilligung der Stadt nach der Katastrophe im Kernkraftwerk von Tschernobyl am 26.04.1986, als sich erstmals breitere Bevölkerungsschichten mit den Gefahren der Kernkraft auseinanderzusetzen begannen und intensiver nach alternativen Techniken Ausschau gehalten wurde.

Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit seiner Anlage machte sich der in Bad Feilnbach ansässige Erbauer nach eigenen Angaben wenig Illusionen: Der 850.000 DM teuere Bau würde ca. 15 Jahre benötigen, um schwarze Zahlen zu schreiben, so die damalige Prognose von Herrn Tremmel, der das Kraftwerk eher als Verwirklichung eines privaten Traumes und als energiepolitische Zeichensetzung denn als wirtschaftliche Investition bezeichnet. Fast schon ein Schnäppchenpreis allerdings, wenn man weiß, welch umfangreicheren Genehmigungsverfahren derartige Anlagen heute unterliegen können und welches Maß an Vorleistungen hierfür erforderlich ist.

An der Südseite ließ Tremmel folgende Zeilen anbringen: „Untätig war des Wassers Lauf - und niemand achtete drauf / Hier war die Wasserkraft vergessen, weil von Atomkraft man besessen / Was doch des Menschen stolzer Wahn in der Natur zerstören kann / Das möge man bedenken; in Zukunft sollte die Vernunft uns lenken / Vergeßt nicht unsere Wasserkraft und laßt sie uns erhalten - Das mahnten schon die Alten.“


 

Bäckermühle unterhalb der Candidbrücke



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Fotos: Joachim Jagla

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