Die hoch aufragende „Kraemer’sche Mühle“ ist eines der letzten Zeugnisse der frühindustriellen Anfänge in Untergiesing. Ursprünglich war sie seit dem Jahr 1701 eine Papiermühle, die der Besitzer des Schlosses Harlaching, Baron Max Christoph von Mayr, errichten ließ und die Mitte des letzten Jahrhunderts zur Getreidemühle umgebaut wurde. Die Papiermühle war eine massive Konkurrenz für die älteren Papiermühlen in Thalkirchen und vor allem für die anno 1347 im Auer „Kegelhof“ gegründete „Schrenkenmühle“.
Carl Jakob Kraemer aus Bad Cannstadt kaufte im Jahr 1863 die Mühle für 87.000 Gulden und baute sie um. Wegen ihrer damals hochmodernen technischen Ausstattung, sie war die erste mit Turbinen betriebene Getreidemühle in München, durfte sie sich „Kunstmühle“ nennen. Ihre heutige Form bekam die Mühle 1960, als ein achtstöckiger Getreidesilo angebaut wurde.
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Kraemer-Mühle Birkenleiten 41
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Notizen aus der „Chronik der Kraemer´schen Kunstmühle München“ vom Prokuristen der Kraemermühle Max Paintner, der von 1903 bis 1958 dort tätig war
1701 Baron Max von Mayr, Besitzer von Schloß Harlaching, das 1796 abgebrannt ist, errichtet mit Bewilligung von Kurfürst Max Emanuel eine Papiermühle. Sie wird von den Erben Anton v. Mayr und dann Markus v. Mayr übernommen.
1760 Wird die Mühle von Ignaz Mayr betrieben.
1764 verpachtet Maria Josepha von Mayr an den Papiermachergesellen Anton Weidenauer.
1828 verkauft Markus von Mayr die Mühle an den Papierwerkmeister Michael Brandmiller, der die Mühle bereits seit 1810 betreibt. Nach dem Hausbuch der Pfarrei Obergiesing ist die Mühle am 7. Juni 1811 früh ½ 4 Uhr abgebrannt.
1853 Anton Buchner (Auer Wassergenossen) übernimmt die Mühle durch Heirat der Witwe Brandmiller und verkauft sie 1863.
1863 Karl Kraemer, der Sohn des Pächters der „Cannstatter Stadtmühle“ kauft die Mühle und baut sie in eine Getreidemühle um. Wegen der modernen Ausstattung darf sie die Bezeichnung „Kunstmühle“ führen.
1903 Der Chronist Max Paintner tritt in die Firma ein. Er schreibt: „So stand die Kraemermühle damals frei, behäbig und beherrschend im Talgrund der Untergiesinger Flur. Weitflächige Wiesen und Gärten umsäumten sie im Vorfeld und 1903 war auf dem mühleneigenen Grund an der Schönstraße sogar noch Getreide angebaut worden. Das unter Erlenbüschen verträumt fließende Fehlbächerl, über das eine graziös geschwungene Betonbrücke in den Mühlenkomplex führte, der mit Rassegeflügel reich besetzte Hühnerhof, dem man zunächst begegnete, die Obst- Gemüse- und Blumengärten zur Rechten und Linken, eine nicht zu übersehende Dungstätte neben dem Stallgebäude... Hätte nicht ein Straßenschild unmissverständlich „Zur Kraemermühle“ verwiesen, man wäre versucht gewesen, sie für einen vornehmen Landsitz zu halten.“
Kein Wunder. Ein „klapperndes Mühlrad“ war nicht vorhanden. Das Mahlwerk wurde von 3 Turbinen getrieben. Von Anbeginn war die Mühle keine Kundenmühle, sondern eine Handelsmühle. Sie kaufte das Getreide im Handel und setzte ihre Produkte im Handel ab. Der tägliche Ausstoß war 18 – 20 to. Weizen oder Roggen. Mit dem Führpersonal gab es 18 Beschäftigte. Die Getreideanlieferung wurde von einer Spedition getätigt. Den Versand der Fertigprodukte besorgte der eigene Fuhrpark mit 4 Pferden und 2 Ochsen. Dazu gab es noch 3 Kühe, 6 Schweine und 60 Hühner, Gänse und Enten. Die Kost für das Personal wurde von der Mühle gestellt. Frau Kraemer kochte selbst für alle.
Zur Familie: Karl Kraemer, der Gründer der Mühle hatte 2 Söhne.
Friederich hatte eine Tochter, die einen Rittmeister heiratet und nach Abfindung aus dem Unternehmen ausscheidet. und Otto hatte 3 Söhne und 1 Tochter.
Die Söhne Heinz und Walter, welche nach dem Vater die Mühle leiten, haben als Nachfolger Reinhard, als Sohn von Heinz, und Thomas, Sohn von Walter.
1944 Am 22. November kam die erste Bombardierung mit schweren Schäden.
Am 27. November die zweite Bombardierung und die totale Zerstörung (siehe Foto).
1949 1. Oktober: Weihe der neuen Mühle nach 4 ½ Jahren Bauzeit.
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