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Neubau der Brauerei

Die Paulaner Brauerei GmbH und Co. KG beabsichtigt ihren Brauereibetrieb in München durch den Neubau einer dritten Sudlinie mit Gärkeller und Lagerkeller sowie Nebeneinrichtungen zu erweitern. Dafür soll der Standort an der Ohlmüllerstraße 42 umgebaut werden. Das Betriebsgrundstück umfasst auch einen bisher ungenutzten Bauteil an der Ohlmüllerstraße. Zu diesem Gebäudebestand gehören erhaltene, denkmalgeschützte Teile des Gebäudetraktes der ehemaligen Zacherlschen Bierbrauerei. Die Brauerei wurde 1822 im klassizistischen Baustil errichtet und ist auch heute noch von der Straße aus erlebbar.Die Gebäude waren mehrfach für Brauerei- und Mälzereizwecke umgebaut worden. Nach schwerer Beschädigung im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude behelfsmäßig hergerichtet, stehen aber nun seit langem leer.

Geplant ist, nach einem Umbau des Gebäudeinneren die neue Sudlinie der Paulaner Brauerei unter Berücksichtigung der historischen Fassade zu errichten. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, die Sudkessel sichtbar in das Gebäude zu integrieren und das Gebäude für die interessierte Öffentlichkeit einsehbar zu gestalten. Im Rahmen des am 13.02.2006 erteilten immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens wurde dem Bauherrn empfohlen, zur Qualitätssicherung der Fassade des Betriebsgebäudes ein gutachterliches Verfahren mit mehreren Architekturbüros durchzuführen. In diesem Gutachterverfahren sollte dabei die Frage, ob die Fassade und wie viel von ihr erhalten bleibt, geklärt werden. Dieses Gutachterverfahren fand in der Zeit vom Mai bis Juli 2006 statt. Es nahmen fünf geladene Architekturbüros teil. Das Beratungsgremium setzte sich aus Fachleuten, Vertreterinnen und Vertretern der Stadtratsfraktionen, der Bezirksausschussvorsitzenden Frau Dietz-Will sowie einer fachlichen Vertretung städtischer Referate zusammen. Am 27.07.2006 fand die abschließende Beratungsgremiumssitzung statt.

Einstimmig wurde die Arbeit von Florian Nagler Architekten als erster Preis prämiert und vom Beratungsgremium zur Realisierung empfohlen. Der Entwurf erhält den denkmalgeschützten Teil der Fassade und ergänzt den Bestand durch einen anschließenden Neubau mit neuem Haupteingangsbereich. Die bestehende Gebäudehöhe wird durch Neubau und Fassade fortgeführt, es entsteht eine Einheit von alt und neu.

An der städtebaulich bedeutenden Ecke an der Einfahrt wird ein Platz geschaffen, der zusammen mit einer öffentlich nutzbaren Passage durch das Gebäude eine neue Wegeverbindung durch das Brauereigelände herstellt. Die Fassade wird entlang der Straße freigestellt angeordnet und lässt dahinter Raum für eine Arkade (in der oberen Skizze rechts).Durch diese Freistellung des Innenraums wird der Produktionsvorgang mit dem Sudkessel für die interessierte Bevölkerung einsehbar und erlebbar. Der Entwurf schafft somit einen Gewinn für den öffentlichen Raum und für die Darstellung der Vorgänge in einem Sudhaus.

Die Paulanerbrauerei will sich mit dem Umbau allerdings Zeit lassen, frühestens Ende 2007 sollen die Maßnahmen beginnen. Nach einem Führungswechsel an der Spitze der "Brau Holding International" müssen die Investitionen neu bewertet werden, auf das Startsignal werde noch gewartet. Das Bier wird also frühestens im Frühjahr 2009 in die neuen Lagertanks fließen.

Nicht ganz ohne Verwunderung wurde das Ergebnis des Fassadenwettbewerbs beurteilt. Schließlich ist der geplante wuchtige Baukörper direkt am Auer Mühlbach und seiner historischen Bedeutung zumindest gewöhnungsbedürftig. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Denkmalschutz zu keinem Zeitpunkt eingeschaltet worden war bzw. zu den Sitzungen nie erschienen war.

Für neue Aufregung sorgt die Tatsache, dass in den jüngsten Plänen zur Fassaden- und Grundstücksänderung der geplante Fußweg am Auer Mühlbach nicht mehr auftaucht. Trotz einer ausdrücklichen Zusage der Paulener-Brauerei fehlt dieser nun. Der Bezirksausschuss hat bereits entsprechend protestiert.

Eigentlich hat Paulaner in der Vergangenheit durchaus Sinn und Engagement für den Auer Mühlbach gezeigt. So wurde am 21. Mai 2006 die Treppe von der Hochstraße zum Auer Mühlbach frisch renoviert der Öffentlichkeit übergeben. Hundert Jahre zuvor hatte die Paulaner diese Treppe gebaut.

Abbildung: Paulaner übergibt die komplett renovierte - Treppe von der Hochstraße zum Auer Mühlbach an die Öffentlichkeit (hier an 3. Bürgermeister Hep Monatzeder und Stadtrat Alexander Reissl).